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Vitamin D gegen COVID-19? Faktencheck, neue Studie des DKFZ, Aufruf von Elitewissenschaftlern

Wie viel ist Korrelation, wie viel ist Kausalität?

Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen. Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Das gilt auch für die Medizin. Nicht selten wird ein Goldstandard zum Kunstfehler und umgekehrt. Dieser Prozess dauert normal Jahrzehnte und bleibt daher meist unbemerkt. Die Masken-Thematik ist hier eine Ausnahme, weil sie den Prozess in nur drei Monaten durchlief: Erst wurden die Masken ignoriert, dann als „asiatischer Spleen“ verlacht, bis am Ende auch hierzulande klar wurde, was man in Asien spätestens seit SARS, der ersten Corona-Epidemie weiß. Ein ähnlich heißes Thema ist jetzt Vitamin D, das gerade den typischen Prozess des Fortschritts durchläuft.

Zum Thema COVID-19 erschienen bis September 2020 etwa 60 000 wissenschaftliche Arbeiten. Die eindrucksvolle Studien-Evidenz zu Vitamin D wird dabei kaum thematisiert oder man sorgt mit Vergiftungswarnungen und der Behauptung, Vitamin-D-Mangel sei nur ein Begleitphänomen des Alters, für Verunsicherung. Wer verunsichert ist, handelt nicht. Und das ist im Falle von Vitamin D die schlechteste Option, da 88 % der Deutschen keine guten Blutspiegel von über 75 nmol/l haben.

 

Die Faktenlage zu Vitamin D und COVID-19

  • In der Medizin ist nichts monokausal. Es handelt sich immer um ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren. Daher werden in epidemiologische Studien Daten bereinigt, indem man Störfaktoren (Korrelation) herausrechnet. Die korrekte Frage ist also: Wie viel ist Korrelation, wie viel Kausalität?
  • Die epidemiologischen Studien zeigen einen klaren Zusammenhang von Vitamin-D-Mangel, SARS-CoV-2-Infektionsrisiko und der Schwere des Krankheitsverlaufs. Eine Meta-Analyse aus 26 Studien zeigt, dass ein Vitamin-D-Mangel mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen schweren bis hin zu tödlichem COVID-19-Verlauf einhergeht.
  • Eine Interventionsstudie aus Spanien stützt die Erkenntnisse der epidemiologischen Studien: Die hochdosierte Gabe von Vitamin D konnte den Krankheitsverlauf der 76 an COVID-19 erkrankten Patienten sehr positiv beeinflussen. Von 50 Patienten, die Vitamin D bekamen, musste nur 1 Patient auf der Intensivstation behandelt werden, von den 26 Patienten, die kein Vitamin D bekamen, dagegen die Hälfte: 13-mal mehr!
  • Zahlreiche klinische Doppelblind-Studien mit insgesamt 11 000 Teilnehmern belegen, dass das Risiko für Atemwegsinfekte bei Vitamin-D-Mangel durch Vitamin-D-Gabe um 70 % gesenkt wird.
  • Einer neuen Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mit 9548 Personen zufolge, konnten 41 % der Todesfälle durch Atemwegserkrankungen innerhalb eines Zeitraums von 15 Jahren auf eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung zurückgeführt werden. In Bezug auf COVID-19 weisen die Autoren ausdrücklich auf das enorme Potential von Vitamin D hin.
  • Sogar in Zeiten der Pandemie sterben etwa doppelt so viele Menschen an Nicht-COVID-19-Atemwegsinfektionen, deren Risiko durch Vitamin-D-Gabe stark reduziert werden könnte.
  • Klinische Studien belegen bei einer Vitamin-D-Gabe eine deutliche Besserung des Akuten Atemwegssyndroms, das im Rahmen von COVID-19 häufig auftritt und oft tödlich verläuft. Interventionsstudien belegen außerdem eine starke Verkürzung des Krankenhausaufenthalts.
  • Zahlreiche Studien belegen den immunmodulierenden Wirkmechanismus von Vitamin D: Es hilft u. a. die CD-8-T-Zellen der spezifischen Immunantwort zu aktivieren, während es die Überreaktion des Immunsystems (Zytokinsturm) hemmt. Es normalisiert ACE2, welches die Eintrittspforte der Viren in die Zellen bildet.
  • Das viel zitierte Robert-Koch-Institut (RKI) behauptet, man könne im Normalfall genug Vitamin D bilden, wenn man sich in den Monaten März bis Oktober zwei- bis dreimal pro Woche mit unbedeckten Händen, Armen und Gesicht ohne Sonnenschutz so lange der Sonne aussetze, bis die Hälfte der Zeit verstrichen ist, in der sonst ein Sonnenbrand entstehen würde. Dieser Vitamin-D-Vorrat würde dann sogar über die sonnenarmen Wintermonate hinweg ausreichen.
  • Gleichzeitig zeigt das RKI mit eigenen Zahlen, dass der „Normalfall“ die Ausnahme ist. Demnach erreichen 61,5 % der erwachsenen Deutschen nicht die laut RKI erstrebenswerten Blutwerte von >= 50 nmol/l Vitamin D. Sogar im Sommer ist ein Mangel verbreitet.
  • Sogar 88 % der deutschen Erwachsenen haben keine guten Vitamin-D-Spiegel, die in Studien protektiv wirken und von der Amerikanischen Gesellschaft für Altersmedizin empfohlen werden: > 75 nmol/l.
  • Nach dem Vorbild Schottland will die britische Regierung nun über 2 Millionen besonders gefährdeten Menschen einen 4-Monatsvorrat Vitamin D kostenfrei zur Verfügung stellen (Busby, 2020). Die französische Académie nationale de Médecine (2020) empfiehlt bereits seit Mai, den Vitamin-D-Status aller Senioren über 60 zu testen und ggf. Vitamin D zu supplementieren. In ihrer Pressemitteilung schreibt die Akademie, dass eine signifikante Korrelation zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und der Sterblichkeit durch COVDID-19 gezeigt wurde. Daher empfiehlt sie auch Menschen unter 60, die sich mit SARS-CoV-19 infiziert haben, Vitamin D.

  • Die tägliche Einnahme von 4000 I.E. Vitamin D ist nach Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sicher. Dies entspricht auch der Empfehlung der Amerikanischen Gesellschaft für Altersmedizin. Vor Vitamin-D-Vergiftungen wird regelmäßig gewarnt, aber ohne darüber zu informieren, welche Einnahmemengen sicher sind. Mehr sachliche Information statt allgemeiner Verunsicherung würde allen helfen, denn Vitamin D senkt nachweislich die Gesamtsterblichkeit und hat ein hervorragendes Nutzen-Risiko-Verhältnis, das sich nur sehr selten in der Berichterstattung der Medien widerspiegelt.
  • Eine Toxizität durch Vitamin D tritt vorwiegend dann ein, wenn Vitamin D zusammen mit hochdosiertem Calcium und Phosphat eingenommen wird, wie dies sehr lange üblich war. Als maximale Serumwerte gelten nach konservativer Einschätzung 125-150 nmol/l (NIH, 2020) als sicher. Bei höheren Werten kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen. Diese sind aber stark abhängig von einer übermäßigen Zufuhr von Calcium und Phosphat. Daher wählt die EFSA kein oberes Limit für Vitamin-D-Serumspiegel, sondern eine Hypercalciämie als Indikator für eine Vitamin-D-Überdosierung.
  • Vitamin-K-Mangel kann ebenfalls zu einem schweren COVID-19-Verlauf beitragen, da Vitamin K u. a. durch die erhöhte Thrombosierung stark verbraucht wird. Dabei wird das Vitamin K vorzugsweise zur Bildung von Gerinnungsfaktoren aufgebraucht, während die Bildung von Protein S und anderen protektiven Stoffen erst bei einer guten Versorgung erfolgt. Sehr hohe Vitamin-D-Gaben erhöhen Serum-Calcium-Werte, Vitamin K2 wirkt dem durch die Aktivierung von Calcium-bindenden Proteinen entgegen. Vitamin K2 (MK-7) hat eine etwa 50-mal längere Halbwertszeit als K1.
  • Die Kombination eines niedrigen Vitamin-D- und Vitamin-K-Status geht in einer neuen Studie aus den Niederlanden mit einer um 46 % erhöhten Gesamtsterblichkeit einher.
  • In Alten- und Pflegeheimen ist die Vitamin-D-Versorgung besonders schlecht und die COVID-19-Mortalität extrem hoch. Hier besteht der dringendste Handlungsbedarf.
  • Zahlreiche Wissenschaftler und Ärzte aus aller Welt fordern schon länger zu dringenden Schritten „gegen die weltweite Vitamin-D-Mangel-Epidemie“ auf. Dazu zählt u. a. auch Prof. Walter Willett von Harvard, mit über 1700 Originalstudien der weltweit führendste Ernährungsmediziner und Epidemiologe. Neu ist eine weitere Aktionsgruppe von Ärzten und Wissenschaftler, die auf die hohe Bedeutung von Vitamin D im Kampf gegen COVID-19 aufmerksam machen wollen und eine Dosierung von 4000 I.E. Vitamin D3 empfehlen.

Zum ausführlichen Artikel

Vitamin D gegen COVID-19? Faktencheck, neue Studie des DKFZ, Aufruf von Elitewissenschaftlern / Wie viel ist Korrelation, wie viel ist Kausalität“ mit Literaturangaben: Hier klicken

 

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3 Antworten

  1. Lieber Dr. Jacob,
    ich finde das unglaublich interessant und wichtig, da es selten nur eine „Ursache“ gibt oder einen Feind, sondern immer mindestens zwei Faktoren zusammen kommen müssen, damit etwas entsteht. So sagt die alte Weisheit auch, dass das Milieu entscheiden ist, und nicht der Erreger. Aber das hieße auch Selbstverantwortung und nicht nur alles auf einen Erreger projizieren und mit Bekämpfen statt mit Stärkung der Resilienz reagieren.
    Auch den Atem sollte man im Vorfeld stärken und vertiefen, statt in dauernder Angststarre zu verharren und sich einsperren zu lassen. Wenn wir schon Aerosole ausstoßen, ist das ein Zeichen, dass der Körper permanent Virenlast loswerden will, und oft am Tag mal tief durchzuatmen – am besten in frischer Luft – ist auch ein Mittel, die Lungen zu befreien, um nicht zu erkranken.
    Mit herzlichen Grüßen, Mark Novy, Psychologe

  2. Sehr geehrter Herr Lahyr,

    Ihre Ernährung hört sich sehr gesund an. Auch die Menge an Öl ist in Ordnung.
    Ob Ihre Vitamin-D-Versorgung ausreichend ist, lässt sich so nicht beurteilen. Dafür sollten Sie sich einmal Ihren Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmen lassen. Auf dessen Basis kann dann die Dosierung bestimmt werden. Grundsätzlich empfehlen wir eher Vitamin D täglich zu nehmen als in größeren Abständen höhere Dosen.
    Ansonsten machen Sie weiter so!

    Herzliche Grüße und alles Gute für Sie!
    Ihre Redaktion Dr. Jacobs Weg

  3. Hallo H. Dr. Jacob
    Vor zirka 3 Jahren hatte ich mir Euer Buch, Dr. Jacobs Weg, zugelegt. Warum? Ich habe mich vor 8 Jahren in meiner Ernährung umgestellt. Esse von da an Pflanzlich und sehr viel roh. Ich esse kein Fleisch mehr egal welches Tier. 4-5 im Jahr esse ich Bio Seelachs Fisch. Seid der Umstellung war ich nicht mehr krank. Vorher war ich Allergiker, und das gegen alles, Auch das ist weg. Das Buch habe ich mir zugelegt um zu wissen was ich dann vielleicht falsch mache. Aber Sie haben mich mit Eurem Buch nur bestätigt. Ich bin auch Wildkräuter Sammler die sich dann in meinem Müsli Morgens wiederfinden. Auch wechsle ich Morgens mit Sellerie und Gerstensaft ab. Eine Frage an Sie, ich habe in meinem Müsli Morgens auch immer 3-4 Teelöffel Leinöl von der Frau Dr. Johanna Budwig. Nehme ich dieses Öl während drei Tage nicht nimmt meine Sehkraft ab. Sie haben aber in Eurem Artikel geschrieben dass man auch dieses Öl zuviel zu sich nehmen kann. Auch nehme ich fast jeden Tag vor dem Mittagessen 1-2 Teelöffel Mariendistelöl zu mir. Kochen und Braten tun wir mit Kokosöl -fett. Ist das jetzt zuviel in meinem Alter? Bekomme nächstes Jar im März meine 70. Ich esse viel eingelegtes wie Sauerkraut oder Kimchi, alles roh. Wir bereiten kein Essen zu indem kein Knoblauch, Ingwer und Kurkuma enthalten ist. Die Küchenkräuter, Oregano, Rosmarin, Liebstöckel Thymian u.s.w kommt aus eigener Produktion sowie unser Gemüse was wir essen.
    Was den Corona anbelangt habe ich mir die Pflanze artemisia annua gezüchtet die Blätter getrocknet gemahlen und in Kapseln gefüllt. Davon nehmen wir 2 pro Tag. Was das Vitamin D anbelangt bei Corona wusste ich nicht. Im Sommer bin ich stets der Sonne ausgesetzt mir kurzer Hose und T Shyrt ohne Ärmel und nehme alle 14ten Tag eine Vitamin D3 Kapsel ein, auch im Sommer. Was kann ich noch besser machen??
    Zu Ihnen,
    Leute wie Si gibt es leider viel zu wenig auf unserem Planeten. Ich habe noch keinen Arzt begegnet der einen über Ernährung informieren konnte, jedenfalls nicht bei uns. Gott sei dank dass ich keinen brauche. Euer Buch und Newsletter lese ich mit Begeisterung.
    Ich Grüsse Sie Hochachtungsvoll und Danke Ihnen Tausend mal für all Eure Mühe und Informationen.
    Bitte bleiben Sie uns noch lange erhalten!!!

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