Vitamin D: Die richtige Dosierung ohne Nebenwirkungen

Vitamin-D-Ergänzung – sinnvoll und sicher

Vielfach wird argumentiert, dass eine Vitamin-D-Ergänzung nicht nötig sei, weil der Körper durch Sonneneinstrahlung ausreichend Vitamin D selbst bilden und auch für den Winter speichern könne. Dass dies leider nicht den Tatsachen entspricht, belegen die Zahlen zur Vitamin-D-Versorgung der Bevölkerung. Denn nur 12 % der Deutschen haben gute Vitamin-D-Spiegel.1

Zur ausreichenden Versorgung ist daher die zusätzliche Vitamin-D-Zufuhr über Supplemente in jedem Alter dringend anzuraten. Die regelmäßige Einnahme moderater Vitamin-D-Mengen ist sicher und ohne Nebenwirkungen – auch bei ausreichend Vitamin-D-Eigenbildung.

Was sagen die Experten? Welche Dosierung ist wirksam und sicher?

Vor nicht allzu langer Zeit empfahl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 200 I.E. Vitamin D am Tag und vervierfachte die Dosis im Jahr 2012 auf 800 I.E. am Tag. Diese Dosierung verhindert zwar eine Rachitis, aber reicht für die anderen Vitamin-D-Wirkungen nicht aus. Daher geben die maßgeblichen wissenschaftlichen Gremien höhere Empfehlungen. Die schlechte Versorgung der Bevölkerung zeigt deutlich, dass die aktuellen Empfehlungen der DGE nicht ausreichen.

Die Endocrine Society, die bedeutendste internationale Organisation zum Thema Hormone, empfiehlt Erwachsenen die tägliche Einnahme von 1500-2000 I.E. (37,5-50 µg) Vitamin D. Für Kinder ab 1 Jahr und Jugendliche werden täglich 1000 I.E. (25 µg) Vitamin D empfohlen (Holick et al., 2011). Um Vitamin-D-Serumwerte von ≥ 75 nmol/l zu erzielen, sollten Personen ab 70 Jahren laut American Geriatrics Society täglich 4000 I.E. (100 µg) Vitamin D aufnehmen (AGS, 2014).

Der Vitamin-D-Bedarf steigt mit Entzündungen und dem Körper­gewicht. Daher kann er bei Übergewichtigen noch deutlich höher liegen und bei Schlanken niedriger.

In Abhängigkeit vom Körpergewicht werden für ein gutes Immunsystem für Senioren, Jugend­liche und Erwach­sene 40–60 I.E. Vitamin D pro kg Körpergewicht und Tag empfohlen. Für eine 70 kg schwere Person wären dies beispiels­weise 2800–4200 I.E. (Gröber et al., 2020). Im deutschen Winter wird Vitamin D meistens in einer Dosie­rung von 4000 I.E. (100 μg) pro Tag benötigt.

Die eher konservative Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft bis zu 4000 I.E. (100 µg) Vitamin D pro Tag für Erwachsene und Kinder ab 11 Jahren als sicher ein, für Kinder bis 10 Jahre 2000 I.E. (50 µg) pro Tag (EFSA, 2012). Bei einem vorliegenden Vitamin-D-Mangel kann zeitweise aber eine höhere Dosierung sinnvoll und notwendig sein, um die Speicher zu füllen.

Auf was Sie bei höheren Vitamin-D-Dosierungen unbedingt achten sollten

Die langfristige Einnahme von hochdosiertem Vitamin D (über 4000 I.E. pro Tag) kann – vor allem bei gleichzeitig hoher Zufuhr von Calcium und Phosphat (Milchprodukte, hochdosierte Supplemente) oder Personen mit Nierenversagen – zu einer Verkalkung der Arterien, Prostata und Nieren und Nierensteinen führen und sollte nur unter Kontrolle der Blutwerte erfolgen. Diese Nebenwirkungen treten erst nach längerer Hochdosis-Einnahme ein, sind aber schwerwiegend. Alle Nebenwirkungen werden nicht durch das Vitamin D alleine verursacht, sondern durch eine gleichzeitig erhöhte Zufuhr von Calcium und Phosphat. Denn Vitamin D erhöht deutlich die Aufnahme der beiden Mineralstoffe über den Darm und die Nieren.

Vor allem bei höher dosierter Zufuhr von Vitamin D (auch Aufdosierung!) ist die ergänzende Einnahme von Vitamin K2 wichtig, um die Vitamin-D-Wirkung zu verbessern und das Risiko potenzieller Nebenwirkungen zu senken. Vitamin D3 und Vitamin K2 arbeiten bei der Einlagerung von Calcium in die Knochen zusammen: D3 erhöht die Bildung von Osteocalcin, K2 aktiviert dieses. Bei hoher Vitamin-D-Aufnahme steigt daher der Bedarf an Vitamin K. K2 aktiviert auch Calcium-bindende Proteine wie MGP und schützt so Nieren und Gefäße.

Aufdosierung bei einem Vitamin-D-Mangel

Wenn ein Vitamin-D-Mangel festgestellt wurde, sollte der Serumwert zunächst aufdosiert werden. Dabei ist ein allmähliches Aufdosieren am natürlichsten und besten: Über einen Zeitraum von 10 Wochen sollten täglich 10.000 I.E. Vitamin D3 einge­nommen werden.

Beachten Sie, dass dieser Mittelwert für normalgewichtige Personen gilt. Sie sollte für kleine Menschen und Schlanke nach unten bzw. für große Menschen und Übergewichtige nach oben angepasst werden. Auch Entzündungen erhöhen den Vitamin-D-Bedarf. Um Risiken bei einer hohen Vitamin-D-Dosierung zu vermeiden, sollte Vitamin D3 mit Vitamin K2 kombiniert werden (s. u.). Am besten kontrollieren Sie nach 10 Wochen den Serumspiegel erneut. Auf zu hohe oder zu geringe Werte kann dann mit einer Anpassung der Erhaltungs­dosis entspre­chend reagiert werden.

Vitamin D Blutspiegel das ganze Jahr stabil halten

Es ist wichtig, seinen Vitamin-D-Serumspiegel über das Jahr hinweg möglichst konstant zu halten. Bei sinkenden Vitamin-D-Werten im Herbst und Winter kann es in vielen Zielgeweben, wie z. B. der Prostata, zu einem lokalen Calcitriol-Mangel kommen. Dies begünstigt möglicherweise organspezi­fische Erkrankungen (Vieth, 2004 und 2009). Daher sind intensive Sonnenbäder im Sommer nur schädlich: für die Haut und die Vitamin-D-Spiegel.

Besser für einen gleichmäßig hohen Vitamin-D-Serumspiegel ist daher auch die tägliche Aufnahme ausreichender Vitamin-D-Mengen (ab Oktober bis Mai ca. 4000 I.E., im Sommer weniger je nach Sonnenexposition) statt einmal pro Woche oder Monat eine hohe Dosis zu supplementieren.

Mehr basenbildende Mineralstoffe statt viel Calcium zuführen

Die bei uns übliche Hauptquelle für Calcium sind Milchprodukte. Diese haben jedoch auch einen hohen Gehalt an säurebildendem Phosphat. Sinnvoller ist basenbildendes Calcium aus pflanzlichen Quellen, da dieses auch die Übersäuerung ausgleicht.

Gemüse und Obst enthalten im Gegensatz zu Milchprodukten neben Calcium auch reichlich basenbildendes Magnesium- und Kaliumcitrat, die für den Säure-Basen-Haushalt ebenfalls von großer Bedeutung sind. Zahlreiche Studien zeigen, dass basenbildendes Gemüse, Calcium-, Kalium- und Magnesiumcitrat die Calcium-Ausscheidung über den Urin reduzieren und die Knochenstruktur verbessern.

Der goldene Mittelweg der Vitamin-D-Dosierung

Weder Panikmache vor Vitamin-D-Vergiftungen noch eine unkontrollierte Hochdosistherapie helfen der Gesundheit. Zu niedrige und zu hohe Vitamin-D-Werte sind gleichermaßen schädlich. Die Einnahme von Vitamin D bis zu 4000 I.E. am Tag im Winter ist sowohl sicher als auch eine der sinnvollsten und einfachsten Maßnahmen, die Gesundheit zu erhalten. Im Zweifel schafft ein einfacher Bluttest Klarheit.

 1 Rabenberg et al. BMC Public Health (2015) 15:641; Guter Vitamin-D-Spiegel nach  Holick et al. J Clin Endocrinol Metab (2011) 96(7):1911-30.

8 Antworten

  1. Guten Tag,
    ich habe leicht erhöhte Thrombosewerte aber muss keine Medikamente nehmen. Darf ich da Vitamin K2 zu den täglichen 2000ie D3 einnehmen? Ich bin total verunsichert, ob ich ohne K2 nicht doch etwas falsch mache. Oder ob ich durch die Einnahme von K2 etwas falsch machen kann.
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    1. Hallo Valeria,
      in Ihrer Situation ist Vitamin K2 tatsächlich empfehlenswert. Vitamin K2 fördert nicht einseitig die Blutgerinnung, sondern wirkt regulierend. Es wird benötigt für die Bildung von Gerinnungs- und Anti-Gerinnungsfaktoren (z.B. Protein S).
      Bei einem Vitamin-K-Mangel ist die regulierende Funktion des Vitamins auf die Blutgerinnung beeinträchtigt: Dann werden vorrangig gerinnungs­fördernde Faktoren in der Leber produziert, denn die Verhinderung von Blutungen ist unmittelbar für das Überleben wichtig. Ist Vitamin K in ausreichender Menge vorhanden, können alle regulierenden Gerinnungsfaktoren „bedient“ werden.
      Viele Grüße und alles Gute für Ihre Gesundheit!

  2. Hallo, ich muss Vitamin D3 nehmen wegen Osteoporose. Ich habe alles mögliche probiert, Dekristol 20000 i.e. Vigantol 1000 I.e., d3 k2 öl i.e. 800, lt. ärztin 4 tropfen genommen am nächsten Tag reduziert auf 3 tropfen. Ich vertrage alles nicht, es kommen immer die Nebenwirkungen bei mir zum vorschein anstatt dass es hilft. Ich habe es immer zum Mittagessen genommen und es war fettreich.
    meine Ärztin sagte mir, sowas hat sie noch nie erlebt. Und ich bin ratlos. Was mache ich falsch? was soll ich nehmen? oder mit wieviel soll ich beginnen? ( bin sehr schlanke person und anscheinend empfindlich geworden ) wahrscheinlich bekomme ich hier auch keine Antwort. Freundliche Grüße

    1. Hallo,
      grundsätzlich sollte bei Osteoporose Vitamin D mit Vitamin K kombiniert werden, am besten im Verhältnis 1:2, also doppelt so viel Vitamin K wie Vitamin D (jeweils in Mikrogramm, z.B. 100 µg Vitamin D3 + 200 µg Vitamin K2 pro Tag). Auch die ergänzende Zufuhr von Magnesium, Calcium und Kalium ist sinnvoll für einen ausgeglichenen Säure-Basen- und Mineralstoff-Haushalt.
      Leider bieten wir keine individuelle Beratung an. Eine persönliche gesundheitliche Beratung erfordert eine umfassende Kenntnis des individuellen Gesundheitszustandes eines Patienten (z.B. andere Erkrankungen, Medikation, genaue Anamnese der Nebenwirkungen, etc.) Ein solches Vorgehen ist auf diesem Weg nicht möglich.
      Haben Sie Ihr Problem schon einmal mit einem (anderen) Facharzt besprochen? Vielleicht kann Ihnen ein Endokrinologe oder ein Osteologe weiterhelfen.
      Viele Grüße und alles Gute für Ihre Gesundheit!

  3. Hallo,ich bin 72 Jahre und habe manifeste Osteoporose. Hatte drei Brustwirbelfrakturen und bekam Evenity 4×gespritzt,monatlich. Thrombose hinter dem Auge.Medikament wurde umgestellt auf Ibandronsäure,3 Monatsspritze.Danach starke Schmerzen am ganzen Körper. Jetzt möchte ich versuchen Naturmedizin anzuwenden. Kann ich das Risiko eingehen. Arzt warnt vor „Witwenbuckel“und weiteren Frakturen. Für eine Einschätzung, ob ich mit D3,K2,Magnesium, Kalzium phosphoricum weitermachen kann, wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen G.Rettcher

    1. Sehr geehrte Frau Rettcher,
      die Aufnahme von Vitamin D3 und Vitamin K2 in Kombination ist bei Osteoporose auf jeden Fall sehr wichtig. Wir empfehlen 4000 I.E. Vitamin D3 und mind. 100 µg Vitamin K2 pro Tag. Daneben ist auch die ausreichende Zufuhr von Kalium, Calcium und Magnesium wichtig, am besten in Form von Citraten. Calcium sollte nur in Maßen und in Kombination mit Kalium und Magnesium ergänzend eingenommen werden, z.B. als Basenpulver. Calcium phosphoricum können Sie zusätzlich auf Wunsch einnehmen.

      Lesen Sie dazu bitte auch diesen Artikel: https://www.drjacobsweg.eu/calcium-paradox/

      Inwieweit Sie auf schulmedizinische Medikamente verzichten können, müssen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt klären. Bei einer manifesten Osteoporose ist dies sicherlich riskant.

      Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Gesundheit!

  4. Grüß Gott,
    Ich bin noch 66 Jahre alt und muß noch einige Jahre Aromatasehemmer nehmen nach Chemo-, strahlen- und operativer Therapie.
    Habe eine Osteoporose entwickelt und habe zusätzlich eine fam. Disposition,
    Lt. letzter Knochendichtemessung ist eine Verschlechterung i.B. LWK 1 und 2 eingetreten,
    sowie eine Verbesserung der Schenkelhälse.
    Lt. Gynäkologie sollte mein Blutwert etwa 60 betragen, lt. Hausarzt um 30-40 um Arteriosklerose zu vermeiden, da ich seit 48 Jahren Blutdrucksenker ( mit Krisen in den Schwangerschaften) einehme.
    Ich nehme tägl. 2500 Einheiten, die tägl. Einnahme soll wohl besser resorbiert werden.
    Die gleichzeitige Einnahme von Vit. K sei nicht belegt.
    Ich ernähre mich vegetarisch, da ich eine homozygote Haemochromaroseträgerin bin, bewege mich viel ( Physiotherapeutin)
    und bin aktuell ratlos,was ich medikamentös optimieren kann/sollte.
    Wäre dankbar für Ihre Einschatzung
    LG P. Glass

    1. Sehr geehrte Frau Glass,
      im Herbst und Winter empfehlen wir Ihnen die Einnahme von 4000 I.E. Vitamin D. Der Blutwert liegt optimalerweise bei 75-125 nmol/l bzw. 30-50 ng/ml. Dieser sollte in Ihrer Situation mind. jährlich kontrolliert werden. Die Kombination mit Vitamin K2 ist dringend anzuraten. Wenn Ihre Ärztin dies nicht unterstützt, können Sie dies auch selbstständig und nebenwirkungsfrei als Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen, z.B. in Tropfenform. (Ausnahme: Bei Einnahme von Gerinnungshemmern von Cumarin-Typ muss eine Absprache mit dem Arzt erfolgen!)
      Bei Osteoporose ist zudem eine ausgewogene Ernährung bzw. eine Nahrungsergänzung mit Kalium, Calcium und Magnesium sinnvoll. Calcium wird bereits häufig eingenommen, Kalium und Magnesium sind jedoch ebenso wichtig. Eine Nahrungsergänzung sollte optimalerweise die drei Mineralstoffe kombiniert enthalten (viel Kalium, Ca-Mg-Verhältnis 3:2), am besten in Form von Citraten.
      Ich hoffe wir konnten Ihnen weiterhelfen. Herzliche Grüße und alles Gute für Ihre Gesundheit!

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