Kohlenhydrate böse und Protein gut?

Gesunde, komplexe Kohlenhydrate sind der „sauberste“ Brennstoff für den menschlichen Organismus, da sie einfach zu CO2 verbrannt werden. Einfache Kohlenhydrate wie Glukose, der Haushaltszucker (Glukose-Fruktose-Disaccharid) sowie Weißmehl produzieren da­ge­gen eine ungesunde „Stichflamme“, weil sie zu schnell im Blut anfluten, den Insulinspiegel erhöhen, schnell verbrennen und zu neuen Hungerattacken führen. Zu viel isolierte Fruk­tose, wie sie in Softgetränken enthalten ist, ist nicht besser: Sie führt zur hepatischen und abdominalen Verfettung. Komplexe Kohlenhydrate hingegen sorgen für eine langsame länger anhaltende Energieversorgung und bringen gleichzeitig Mineralstoffe und Ballast­stoffe mit.

Kohlenhydrate werden immer wieder kontrovers diskutiert, was zum einen daran liegt, dass es sich um einen Überbegriff für eine große Gruppe an Molekülen handelt, von Ein­fach­zuckern bis hin zu ver­zweigtkettigen Stärkemolekülen. Zum anderen wird die Blut­zucker­wirkung von Lebens­mit­teln fälschlicher Weise oft mit der Insulinwirkung gleich gesetzt.

Doch der gly­kä­mische Index (GI) unterscheidet sich wesentlich vom Insulin Index (II), der für den Stoffwechsel letztlich viel wichtiger ist. So führen auch Milch und Fleisch zu einer relativ hohen Insulinausschüttung, ohne den Blutzucker zu erhöhen. Für den Stoffwechsel ist der Insulin Index weitaus bedeutender, da die Wirkung des Hor­mons Insulin vielfältiger und wichtiger ist als die des Brenn­stoffs Glukose.

Proteine sind primär keine Brennstoffe, sondern Baustoffe und werden nur in geringen Mengen benötigt. In Okinawa haben die Menschen mit 39 g überwiegend pflanzlichem Protein pro Tag weltweit die höchste Lebenserwartung und die meisten gesunden Lebens­jahre erreicht. Alles überschüssige Protein führt zur Belastung der Leber und Nieren mit Stick­stoff, Ammoniak und Schwefelsäure, erhöht den oxidativen Stress und trägt zu Eiweiß­speicher­krankheiten bei – ein Begriff, den der Frankfurter Medizinprofessor Lothar Wendt prägte. Den manchmal postulierten Eiweißmangel gibt es in Deutschland nur bei wenigen Menschen, eine nachgewiesene Proteinüberversorgung dagegen bei vielen.

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