Natrium-Kalium-Gleichgewicht

Die heute praktizierte westliche Ernährungsweise sowie Dauerstress und Bewegungs-mangel führen einerseits zu einem extrem verschobenen Natrium-Kalium-Verhältnis und andererseits zu einem Überschuss an fixen Säurebildnern. Im Hinblick auf den Säure-Basen-Haushalt hat vor allem die Zufuhr von tierischem Protein und Fertignahrungsmitteln stark zugenommen, aus deren Abbau Sulfat, Phosphat und Chlorid entstehen und starke, anorganische Säuren gebildet werden. Gleichzeitig hat die Zufuhr an basenbildenden Anionen (z. B. Citrat aus vollwertiger pflanzlicher Kost), aus denen im Körper Bikarbonat gebildet wird, stark abgenommen. Zudem entsteht in unserem Körper ein unnatürliches Natrium-Kalium-Verhältnis (viel Kochsalz, wenig kaliumreiche pflanzliche Kost), wodurch die Natrium-Kalium-Pumpe in ihrer Funktion beeinträchtigt wird und sich die intrazellulären Ionenverhältnisse verändern.

Salzreiche, kaliumarme Ernährung reduziert Nierenleistung

KochsalzIm Vergleich zur ursprünglichen Ernährung des Menschen haben sich das Natrium-Kalium- und das Chlorid- Bikarbonat-Verhältnis ins Gegenteil gekehrt. Verglichen mit den Yanomami-Indianern hat sich das Kalium-Natrium-Verhältnis in unserer Ernährung um den Faktor 100 bis 200 verschoben (Jansson, 1990). Während die Yanomami-Indianer, die sich sehr kaliumreich und salzarm ernähren, weder Hypertonie noch Nierenversagen kennen, führt die heutige Ernährungsweise bei den meisten Menschen zur Halbierung der Nierenleistung im Alter – wenn nicht sogar zur Niereninsuffizienz. Statt basenbildenden Kaliumverbindungen nutzen die Nieren das toxische, stark alkalische Ammoniak als Säurepuffer. Zudem sind ein erhöhter Blutdruck, Insulinresistenz und Osteoporose einige der vielen Folgen.

Das Hormon Aldosteron und der Elektrolyt-Haushalt

Der Elektrolyt- und der Säure-Basen-Haushalt sind untrennbar verknüpft und müssen im Zusammenspiel betrachtet werden. Während etwa eine akute Azidose zu einer Hyperkaliämie führt, verursacht eine chronische, latente Azidose einen ausgeprägten intrazellulären Kalium- und Magnesiummangel sowie einen Calciumverlust aus dem Knochen.

Das Nebennierenhormon Aldosteron spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts. Da die ursprüngliche Ernährung des Menschen und aller Säugetiere natriumarm und kaliumreich war, dient Aldosteron der Rückresorption von Natrium und Wasser und der Ausscheidung von überschüssigem Kalium, Säureäquivalenten und Stickstoff (als Ammonium). Die heutige Ernährungs- und Lebensweise stellt diesen bewährten Mechanismus auf eine harte Probe. Dauerstress, Übergewicht, Insulinresistenz und säurebildende Ernährung lassen die Cortisol- und Aldosteronpegel steigen, die den Mineralocorticoid-Rezeptor aktivieren. Obwohl wir uns natriumreich und kaliumarm ernähren, sind Aldosteron und Cortisol nach oben reguliert. So werden die überschüssigen Säureäquivalente und Stickstoff aus unserer proteinreichen Nahrung ausgeschieden, aber gleichzeitig kommt es zu einer weiteren Überladung mit Natriumchlorid und zum Verlust von Kalium, Magnesium und Calcium.

Während hohe Aldosteronspiegel bei hohen Kalium- und niedrigen Natriumspiegeln physiologisch sind, wirkt die Kombination aus erhöhten Aldosteron- und Natriumspiegeln bei relativem Kaliummangel pathologisch. Eine effektive Natriumausscheidung ist auf diese Weise nicht möglich, weshalb Natrium und Chlorid zunehmend im Bindegewebe, in der Lymphe und in Zellen eingelagert werden. Die Auswirkungen können auf Dauer dramatisch sein: Bluthochdruck, Lymphödeme und ödematöse Erkrankungen, metabolisches Syndrom, Nierenerkrankungen, Hypercalciurie, Herzarrhythmien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Kollagenablagerungen, Entzündungen, Fibrosierung von Herz- und Blutgefäßen, Muskelschwäche, eine gesteigerte Entzündungsaktivität über NF-kappaB-Aktivierung bis hin zu Herzversagen oder einem nephrotischen Syndrom.

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8 Gedanken zu “Natrium-Kalium-Gleichgewicht

  1. Der Salzbedarf ist bei Leistungssportlern erhöht. Dieser kann jedoch einfach durch das Salzen von Mahlzeiten ausgeglichen werden. Eine spezielle Supplementierung ist nicht nötig.

  2. Wie sieht es aus bei Leistungssportlern die schwitzen ohne Ende beim Training? Sollte nach dem Training nur Kalium oder Kalium und Natriumchorid begefügt werden, und wenn beides, in welchem Verhältnis?

  3. Hallo Karin,
    bei einer Nahrungsergänzung ist es immer am besten, sich an den natürlichen Lebensmitteln zu orientieren. Über Lebensmittel (z.B. in Form von Kräutern, Gemüse und Obst) nehmen Sie Kalium über den Tag verteilt auf, deshalb sollte Kalium auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln am besten über den Tag verteilt aufgenommen werden. In Lebensmitteln liegen Kalium und Magnesium auch zusammen vor, so dass die gemeinsame Aufnahme die natürliche Form darstellt. Für die bessere Verwertbarkeit der Mineralstoffe raten wir dazu, die Mineralstoffe mit den Mahlzeiten einzunehmen – so wie es auch mit natürlichen Lebensmittel der Fall ist.
    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Frauen, in Abhängigkeit vom Alter, die tägliche Aufnahme von 300-350 mg Magnesium pro Tag. Bei manchen Menschen können höher dosierte Magnesium-Präparate zu Durchfall führen. Die Verträglichkeit ist besser, wenn die Tagesdosis auf mehrere kleine Portionen aufgeteilt wird. Ihre individuelle Verträglichkeit testen Sie am besten selbst aus.

  4. Hallo,

    da ich in den letzten Wochen vermehrt Ödeme hatte – besonders seit meiner Cortisonstoßtherapie (nie wieder!!) und mein Kaliumwert damals grenzwertig war (hat keinen Arzt gestört) hatte ich eine Zeitlang meine Wassereinlagerungen auf eingene „Gefahr“ mit Kaliumkapseln aus der Apotheke in den Griff bekommen. Allerdings brauchte ich eine Packung/Woche. Mein Kaliumspiegel war logischerweise dann normal – deshalb wollte mir der Arzt es nicht verschreiben. Ich pfeif jetzt drauf. Habe mir Kaliumcitrat in Lebensmittelqualität besorgt und werde mich langsam auf die 2 g hochdosieren, bzw. noch höher. Nun meine Fragen:
    Über den Tag verteilt oder als Einzeldosis? Und wie ist es mit dem Magnesium? Habe es auch als Citrat hier, wie hoch dosieren? Zum Kalium dazu einnehmen oder lieber getrennt mit zeitlichem Abstand?
    So, das wäre alles 🙂

    Liebe Grüße,

    Karin

  5. Vor einem Jahr nahm ich täglich Basen-Tabletten von Burgerstein, ohne Aluminium selbstverständlich. Als ich nach ein paar Monaten Muskelschmerzen, v.a. an den Schultern, bekam, hörte ich damit auf. Danach gingen auch die Muskelschmerzen wieder weg, wobei ich nicht sicher war, ob es an den Tabletten lag.
    Nach Ihrer Antwort überprüfte ich die Packung: Kalzium, Magnesium und Kalium, welche den größten Teil ausmachen, bestehen tatsächlich aus Karbonaten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Schmerzen vom Karbonat kamen.
    Ich danke Ihnen nochmals herzlich!

  6. Herr Jacob,
    Ich danke Ihnen herzlich für diese ausführliche Antwort, gerade betreffend Karbonat/Citrat!
    J. Baier

  7. Hallo,

    bei der Supplementierung von Mineralstoffen ist auch immer wichtig, in welcher Verbindung diese vorliegen. Am besten ist es hier, sich daran zu orientieren, in welcher Form man den jeweiligen Mineralstoff natürlicherweise, also in Lebensmitteln, präsentiert bekommt. Kalium ist in großen Mengen in Gemüse, Kräutern und Obst vorhanden, und zwar in Form von Kaliumcitrat. Kaliumcarbonat würde man über Lebensmittel nicht erhalten. Während der Körper mit dem organischen Citrat, das ein wichtiger Bestandteil unserer Zellen ist, sehr gut umgehen kann, wirkt das anorganische Bikarbonat direkt im Magen-Darm-Trakt, was vielen Menschen – vor allem auf Dauer – nicht gut bekommt.

    Ein hoher Verzehr von frischem Gemüse, Obst und Kräutern ist natürlich die beste Art und Weise, seinem Körper Kalium zuzuführen. Wenn Sie Kalium supplementieren möchten, empfehlen wir jedoch Kaliumcitrat. In Deutschland liegt die empfohlene Tagesdosis bei 2 g Kalium. Eine aktuellere Empfehlung aus den USA liegt jedoch bei mindestens 4,7 g Kalium/Tag. Die zusätzliche Zufuhr über Supplemente ist natürlich abhängig von der Zufuhr, die bereits über Lebensmittel gedeckt wird.

    Noch ein Tipp: Auch außer Haus können Sie auf Ihre Natriumaufnahme achten. Fragen Sie im Restaurant nach einem ungesalzenen Essen und verzehren Sie als Snack zwischendurch lieber Obst- und Gemüsesticks statt Salzbrezeln oder Chips.

  8. Guten Tag Herr Jacob

    Eine Frage, welche mich seit zwei Jahren verfolgt:

    Ist gegen die Einnahme von Kaliumkarbonat-Pulver (aus der Drogerie) zur Verbesserung des K-Na-Verhältnisses etwas einzuwenden? Natürlich raten Sie mir, den Kochsalzkonsum einzuschränken… Aber wenn man dies nur schwer schafft, oder ungenügend…? Auch denke ich an Aufenthalte ausser Haus, wo ich z.T. tagelang kochsalzreich essen „muss“. Ist dann ein Ausgleich durch die Einnahme von Kaliumkarbonat angesagt?

    Wieviel KCO3 täglich würde ich zusätzlich zu mir nehmen?

    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar!

    Beste Grüsse,

    J. Baier

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