Was bringt die Menschheit und die Natur wirklich um?

Wie wir uns und unsere Umwelt kaputt machen

Die derzeitigen Ernährungssysteme bedrohen sowohl unsere Umwelt als auch die Gesundheit der Menschen. Ein Großteil der Menschen konsumiert eine minderwertige Ernährung, die zu Mikronährstoff-Mängeln sowie Fettleibigkeit und Erkrankungen wie Koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Diabetes führt. Eine ungesunde Ernährung stellt ein höheres Risiko dar als ungeschützter Geschlechtsverkehr, Alkohol, Drogen und Tabak zusammengenommen. Auf der anderen Seite haben über 800 Millionen Menschen auf der Erde zu wenig Essen. Für eine gesunde Ernährung der Weltbevölkerung muss die heutige Ernährung erheblich verändert werden.

Die Ernährung nimmt aber nicht nur Einfluss auf die Gesundheit, sondern auch in immensem Ausmaß auf die Umwelt. Die Lebensmittelproduktion und -verarbeitung ist einer der Hauptfaktoren für globale Umweltveränderungen wie Klimawandel, reduzierte Biodiversität, Wasserverbrauch, Störung der Stickstoff- und Phosphat-Kreisläufe und Veränderungen der Landnutzung. Die Landwirtschaft nimmt etwa 40 % der Landfläche ein; die Lebensmittelproduktion ist für bis zu 30 % der Treibhausgasemissionen und 70 % des Frischwasserverbrauchs verantwortlich.

Viele Menschen verzehren eine „Lose-lose-Ernährung“: gesundheitsschädlich und nicht nachhaltig für die Umwelt. Sie ist oft hochkalorisch, enthält viel zugesetzten Zucker, gesättigte Fettsäuren, stark verarbeitete Lebensmittel und rotes Fleisch. Zusätzlich können sich Umweltschäden aufgrund solch einer Ernährung negativ auf die Gesundheit auswirken (z.B. aufgrund von schlechter Luftqualität).

Wie sieht eine gesunde, umweltfreundliche Ernährung aus?

Um sowohl Gesundheit als auch die Umwelt zu schützen, muss dringend eine globale Änderung der Ernährungssysteme erfolgen. Dies ist das Ergebnis einer Studie zur Ernährung der Weltbevölkerung von 37 Wissenschaftlern aus 16 Nationen in The Lancet, einer der renommiertesten Fachzeitschriften der Welt.

Darin stellen die Autoren eine Referenzernährung vor, die sowohl gesund als auch ökologisch nachhaltig ist – eine sogenannte „Win-win-Ernährung“. Sie besteht aus:

  • einer angemessenen Kalorienzufuhr,
  • abwechslungsreichen pflanzlichen Lebensmitteln (reichlich Vollkorngetreide, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse),
  • wenig tierischen Lebensmitteln (Milchprodukte, Fisch und Geflügel in Maßen sowie – wenn überhaupt – nur geringe Mengen an Eiern, rotem und verarbeitetem Fleisch),
  • ungesättigtem statt gesättigtem Fett
  • und nur wenig raffiniertem Getreide, hochverarbeiteten Lebensmitteln und zugesetztem Zucker.

Tab. 1: Zusammensetzung einer weltweit umsetzbaren, gesunden Referenzernährung bei einer Aufnahme von 2500 kcal/Tag. Die Mengen müssen individuell an Körpergröße und körperliche Aktivität angepasst werden.

Lebensmittel Aufnahme in g/Tag Mögliche Variationsbreite in g/Tag
Vollkorngetreide 232 0-60 % der Energiezufuhr
Knollen und stärkehaltiges Gemüse 50 0-100
Gemüse 300 200-600
Obst 200 100-300
Milch (oder äquivalente Milchprodukte) 250 0-500
Rotes Fleisch 14 0-28
Geflügel 29 0-58
Eier 13 0-25
Fisch 28 0-100
Hülsenfrüchte 100
Nüsse 25
Palmöl 6,8 0-6,8
Zugesetzte ungesättigte Fette 40 20-80
Zugesetzte tierische Fette (Butter, Schmalz) 5 0-5
Zugesetzte Zucker 31 0-31

Proteinquellen sind vorrangig Pflanzen, vor allem Soja, andere Hülsenfrüchte und Nüsse. Fisch, Geflügel und Eier können die Proteinzufuhr optional ergänzen. Rotes Fleisch, insbesondere verarbeitetes, gehört wenn überhaupt nur noch in sehr geringen Mengen auf den Speiseplan. Fett stammt vor allem aus ungesättigten Pflanzenquellen, gesättigte Fettsäuren werden nur wenig aufgenommen. Kohlenhydrate stammen vor allem aus Vollkorngetreide; raffiniertes Getreide und Zucker werden stark reduziert. Täglich gehören mindestens fünf Portionen Gemüse und Obst auf den Speiseplan. Der moderate Verzehr von Milchprodukten ist möglich.

Diese Zusammensetzung einer solchen gesunden Ernährung erlaubt eine große Flexibilität bei der Zusammenstellung der Ernährung, je nach landwirtschaftlichen Gegebenheiten, kulturellen Traditionen und individuellen Vorlieben.

Zudem müssen die Lebensmittelverluste und -abfälle erheblich reduziert werden. Ebenso sind massive Verbesserungen bei der Lebensmittelproduktion vonnöten.

Ausblick

Die vorgestellte Ernährungsweise könnte weltweit umgesetzt werden und gesunde Nahrung für 10 Milliarden Menschen (geschätzte Weltbevölkerung im Jahr 2050) liefern. Gleichzeitig könnten jährlich ca. 11 Millionen vorzeitige Todesfälle verhindert und Umweltschäden erheblich reduziert werden. Es wäre deutlich weniger Tierhaltung nötig und die Emission von klimaschädlichen Gasen könnte auf etwa die Hälfte reduziert werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sehr bald zahlreiche Änderungen umgesetzt werden. Das weltweite Ernährungssystem muss umgestellt werden, um seine negativen Effekte auf die Gesundheit des Menschen und die Stabilität der Umwelt zu reduzieren. Bereits kleine Steigerungen des Verzehrs von rotem Fleisch und Milchprodukten würden das Erreichen des Ziels erheblich erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Von globalen Organisationen bis hin zum einzelnen Konsumenten sind somit alle gefragt.

Die praktische Umsetzung: Dr. Jacobs Ernährungsplan

Eine Ernährungsumstellung ist für den Einzelnen normalerweise ein großer und schwerer Schritt. Wie soll die vorgestellte „Win-win-Ernährung“ in die Praxis umgesetzt werden? Dr. Jacobs Ernährungsplan und das dazugehörige Rezeptbuch „Simply Eat“ können dabei eine große Hilfe sein. Die Zusammensetzung der Ernährung nach Dr. Jacobs Ernährungsplan entspricht nahezu den Empfehlungen der vorgestellten Studie und ist somit die praktische Unterstützung für deren Umsetzung.

Dr. Jacobs Ernährungsplan ist die Anleitung zu einer pflanzenbasierten, ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährungsweise. Auch hier machen Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte den Hauptteil der Lebensmittel aus; tierische und stark verarbeitete Produkte werden weitgehend gemieden. Damit ist die Ernährung nicht nur zur Stoffwechsel- und Gewichtsoptimierung geeignet, sondern trägt auch zur Schonung der Umwelt bei.

Das Rezeptbuch „Simply Eat“ liefert dazu passende Rezeptideen sowie zahlreiche Tipps zu Zutaten und Zubereitung.

 

Literatur:

  • Willett W, Rockstrom J, Loken B, Springmann M, Lang T, Vermeulen S, Garnett T, Tilman D, DeClerck F, Wood A, Jonell M, Clark M, Gordon LJ, Fanzo J, Hawkes C, Zurayk R, Rivera JA, De Vries W, Majele Sibanda L, Afshin A, Chaudhary A, Herrero M, Agustina R, Branca F, Lartey A, Fan S, Crona B, Fox E, Bignet V, Troell M, Lindahl T, Singh S, Cornell SE, Srinath Reddy K, Narain S, Nishtar S, Murray CJL (2019): Food in the Anthropocene: the EAT-Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems. Lancet. Epub: 21.01.2019. DOI: 10.1016/S0140-6736(18)31788-4

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ihr Kommentar erscheint nach Freigabe durch die Redaktion.