Ursachen unserer Zivilisationserkrankungen

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Lebenserwartung teilweise schon im Sinkflug

Im gesunden Altwerden sind die Deutschen weltweit nicht führend, doch in Sachen „Kosten des Gesundheitssystems“ zählen wir zur Spitze. Der Fortschritt der Medizin bekämpft mit gewaltigem finanziellem Aufwand und hohem Leidensdruck der Betroffenen vor allem Krankheiten, die vor der Industrialisierung noch eine Seltenheit waren, weil Zivilisationserkrankungen nur bei der Oberschicht auftraten. Es wundert daher nicht, dass in allen Ländern, in denen der westliche Lebensstil Einzug hält, Zivilisationserkrankungen explosionsartig zunehmen. In den USA, wo dieser Lebensstil auf die Spitze getrieben wird, steigt die Lebenserwartung nicht mehr, sondern befindet sich vor allem bei den sozial Schwächeren im Sinkflug. Bei weißen US-Amerikanerinnen ohne höhere Bildung ging seit dem Jahr 1990 die Lebenserwartung bereits um 5 Jahre zurück; Männer ohne höhere Bildung verloren 3 Jahre Lebenserwartung (Olshansky et al., 2012). Dies kann uns einen Vorgeschmack auf die Zeiten eines wirtschaftlich geschwächten, aber ungesund fehl- und überernährten Europas geben.

Können wir die Vorzüge der Moderne mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen so kombinieren, dass wir dem Leben nicht nur mehr Jahre, sondern den Jahren auch mehr gesundes und aktives Leben geben?

Gesunde Ernährung und Lebensweise kann Leben um 13,2 Jahre verlängern

Die Bevölkerung der kalifornischen Stadt Loma Linda südöstlich von Los Angeles besteht zu etwa 50 % aus Adventisten, einer christlichen Glaubensgemeinschaft, die aus religiösen Gründen einen gesunden Lebensstil und eine gesunde Ernährungsweise pflegt. Die Adventist Health Study ist eine Serie von Studien der Loma Linda-Universität, die bereits in den 1970er und 1980er Jahren zeigte, dass die Vegetarier unter den Adventisten länger leben als Nicht-Vegetarier. Adventisten, die einfach nur vegetarisch leben, haben im Schnitt eine Lebenserwartung von 83,3 Jahren (Männer) bzw. 85,7 Jahren (Frauen) – das sind 9,5 beziehungsweise 6,1 Jahre mehr als bei der kalifornischen Durchschnitts-bevölkerung (Fraser und Shavlik, 2001). Zum Vergleich betrug die Lebenserwartung der Deutschen 2009-11 durchschnittlich 77,7 Jahre bei den Männern und 82,7 Jahre bei den Frauen (Statistisches Bundesamt, 2012).

Eine in mehrfacher Hinsicht gesunde Lebensweise erreicht aber noch viel mehr. Unter den Adventisten werden Männer, die sich vegetarisch ernähren und gesund leben, im Schnitt sogar 87 Jahre, Frauen 88,5 Jahre alt; im Vergleich zur kalifor-nischen Durchschnittsbevölkerung sind dies 13,2 bzw. 8,9 Jahre mehr  (Fraser und Shavlik, 2001). Gesunde Lebensweise im Rahmen der Studie bedeutete: intensive körperliche Betätigung mindestens dreimal pro Woche, Verzehr von Nüssen öfter als viermal wöchentlich, lebenslang Nichtraucher sowie ein BMI < 25,9 bei Männern und < 25,2 bei Frauen.

Vegetarische Ernährung senkt Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs

Seit 2002 läuft die unabhängige Adventist Health Study 2 (AHS 2) mit 96.000 Teilnehmern aus den USA und Kanada, welche vom National Cancer Institute, den National Institutes for Health, dem US-Landwirtschaftsministerium und dem World Cancer Research Fund finanziert wird. In einem Überwachungszeitraum von 5,8 Jahren wurde die Mortalität von 73.308 Adventisten untersucht und ausgewertet. Vegetarier hatten im Vergleich zu Nicht-Vegetariern eine 52 % niedrigere Mortalität durch Nierenversagen und eine 39 % niedrigere Diabetes-Mortalität (Orlich et al., 2013). Insgesamt hatten alle Arten von Vegetariern im Studienzeitraum ein 12 % niedrigeres Sterberisiko als Nicht-Vegetarier, Veganer ein 15 % niedrigeres Risiko. Bei männlichen Vegetariern war die Herz-Kreislauf-Mortalität 29 % niedriger. Vegetarier leiden nur etwa halb so häufig an Diabetes mellitus Typ 2 wie Mischköstler (Tonstad et al., 2013) und haben zudem ein 56 % geringeres Risiko, ein [su_permalink id=“768″]metabolisches Syndrom[/su_permalink] zu entwickeln (Rizzo et al., 2011).

Gemüse: Gut für's HerzRizzo et al. (2013) analysierten die Ernährung der Adventisten. Die veganen Adventisten, die in den Studien besonders gut abschnitten, essen relativ viel Soja: Im Schnitt werden täglich 10,9 g Sojaprotein verzehrt. Die Ovolacto-Vegetarier verzehren 8 g Sojaprotein am Tag und mit nur 4,8 g Milchprotein (entspricht etwa 150 ml Milch) im Vergleich zu Europäern sehr wenig Milchprodukte (im Vergleich hierzu das niedrigste und höchste Quintil der EPIC-Studie: 10 g bzw. 27 g Milchprotein). Adventisten, die öfter als einmal am Tag einen Sojadrink zu sich nehmen, haben ein 70 % niedrigeres Risiko für Prostatakrebs (Jacobsen et al., 1998). Das allgemeine Krebsrisiko war bei Vegetariern der AHS 2 im Vergleich zu Nicht-Vegetariern um 8 % vermindert. Eine vegane Ernährung führte sogar zu einer 16 %-igen Risikoreduktion. Das Risiko für gastrointestinale Krebsarten konnte durch eine vegetarische Ernährung um 24 % gesenkt werden (Tantamango-Bartley et al., 2013).

Okinawa – Insel der Unsterblichen

Bis sie von den Adventisten in punkto Lebenserwartung überholt wurden, waren lange Zeit die Einwohner der japanischen Insel Okinawa das Paradebeispiel für Langlebigkeit. Die Okinawas mit der weltweit höchsten Dichte an Hundertjährigen (Willcox et al., 2008) hatten lange Zeit eine 80-90 % geringere Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkran­kungen sowie Brust- und Prostata­krebs als Menschen in den USA oder Europa (Willcox et al., 2009). Ihre traditionelle Ernährung ist wie die der Adventisten überwiegend pflanzlich. Die Hauptspeise der Okinawas  waren die kohlenhydrat- und carotinoidreiche Süßkartoffel, Soja, Gemüse und kleine Mengen Fisch (ca. 15 g pro Tag). Fleisch- und Milchprodukte wurden sehr wenig verzehrt. Auch Zucker und Weißmehl gehörten nicht zum Speiseplan. Doch seit die westliche Ernährungsweise auf Okinawa Einzug hält, verlieren die Einwohner ihren Überlebens­vorteil zunehmend.

Fleisch: Eine Ursache für ZivilisationskrankheitenDass der Verzehr von verarbeiteten und tierischen Lebensmitteln, einschließlich Milchprodukte, Zivilisationserkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Hypertonie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz oder Krebs fördert, zeigen unzählige klinische und weitere epidemiologische Studien. Besonders gravierend ist der Einfluss der Ernährung bei gleichzeitigem Bewegungsmangel. Vor allem gesättigte Fettsäuren und Proteine aus Fleisch und Milchprodukten fördern bei mangelnder körperlicher Aktivität die [su_permalink id=“762″]Insu­lin-resistenz[/su_permalink]. Ein Teufelskreis, der abdominale Fettleibigkeit, Fettleber, Hyperinsulinämie und das metabolische Syndrom unweigerlich im Schlepptau hat – Erkrankungen, die mit einer verringerten Lebenserwartung einhergehen. Doch was sind die ursächlichen Mechanismen dahinter? Wie wirkt sich unsere moderne Ernährung auf den Stoffwechsel aus?

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One thought on “Ursachen unserer Zivilisationserkrankungen

  1. Bevor ich mir das Buch bestellte war ich an einem Punkt angelangt, wo ich mich nicht mehr im Spiegel betrachten mochte. Ich habe bei einer Körpergröße von 167 cm, 130 kg gewogen und hatte einen BMI von 46,6 kg/m², was Adipositas Grad III entspricht. Zudem hatte ich bereits eine Hashimoto thyreoiditis, einen Diabetes mellitus Typ II sowie einen Bluthochdruck, zudem konnte ich keinen Meter laufen ohne aus der Puste zu sein. Ich besuchte eine Fachärztin für Endokrinologie in der Hoffnung, dass sie mir vielleicht Empfehlungen für eine Ernährungsumstellung mit an die Hand geben könnte. Leider war sie der Meinung, dass mir nur das Diabetesmedikament „Metformin 500 mg“ helfen könne, ich teilte ihr mit, dass das nicht mein Bestreben ist und ich es über die Ernährung schaffen wolle. Darauf ließ sie sich nicht ein und somit verließ ich diese Praxis. Nach mehreren interessanten Youtube-Videos stoß ich dann auf das Buch von Dr. Jacob, welches ich mir auch umgehend bestellte. Ich muss dazu sagen, dass ich selbst aus dem Gesundheitswesen komme und „eigentlich“ Bescheid wissen müsste. Jedoch öffnete mir das Buch dermaßen die Augen, ich dachte ich lerne die Medizin noch mal Neu kennen. Langsam fing ich an, anfänglich nur auf Fleisch zu verzichten, nachdem ich gemerkt hatte, dass mir überhaupt nichts fehlt und ich bereits 5 kg abgenommen habe. Verzichte ich komplett auf tierische Produkte. Das ist nun 4 Jahre her und ich bin 72 kg leichter und halte mein Gewicht jetzt seit fast vier Jahren mühelos. Ich bin Dr. Jacob unendlich „dankbar“, was er für die Menschheit getan hat mit seinem tollen Buch. Dank ihm, habe ich heute ein leidfreies Leben und kann sogar wieder richtig aktiv Sport betreiben. Meine anfänglich erwähnten Krankheiten sind heute nicht mehr existent. Ich hoffe, dass noch viele diesen Weg gehen werden und somit zu mehr Lebensqualität gelangen.

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