Krebserregende Viren in Rindfleisch und Milch

Fast 20 % aller Krebserkrankungen können mit infektiösen Stoffen wie Viren in Verbindung gebracht werden. Derzeit existieren sieben Viren, die sicher mit menschlichem Krebs in Zusammenhang stehen. Und da ständig neue Viren in der Nahrungskette entdeckt werden, wird die Häufigkeit viraler Krebserkrankungen zukünftig vermutlich steigen.

Bereits vor hundert Jahren wurde ein krebsverursachendes Hühnervirus entdeckt, wofür der Nobelpreis verliehen wurde. Ein weiterer krebsauslösender Virus ist das Humane Papilloma-Virus (HPV), das Gebärmutterhalskrebs verursacht. Der Entdecker des HPV, der deutsche Nobelpreisträger zur Hausen, vermutete bereits, dass ein Rinder-Virus existiert, ein multiples Tumorvirus, das bei menschlichem Darm-, Lungen und Brustkrebs eine Rolle spielen könnte.

Epidemiologische Studien belegen schon lange, dass der Verzehr von Rindfleisch mit einem stark erhöhten Risiko für kolorektalen Krebs einhergeht. Eine Hypothese, dies zu erklären, ist ein karzinogener infektiöser Stoff im Fleisch. Eine Virusfamilie, von der bekannt ist, dass sie karzinogen wirkt, sind die weit verbreiteten Polyomaviren (Peretti et al., 2015). Polyomaviren sind besonders bedenklich, weil sie auch hohe Temperaturen, z.B. beim Kochen, überleben können.

Polyomaviren in Hackfleisch

Ein einzelner Burger kann heutzutage das Fleisch von zig Tieren enthalten – ideal für die Ansammlung von Viren. Forscher des berühmten National Cancer Institute der USA fanden in Rinderhackfleisch aus mehreren Supermärkten drei verschiedene Polyomaviren, die Ähnlichkeiten mit anderen beim Menschen krebserregenden Polyomaviren aufweisen. Ebenso wurden im Rinderhackfleisch bzw. in den Vergleichsprodukten Schweine- und Hühnchenhackfleisch Vertreter weiterer Virusfamilien wie Herpesviren, Adenoviren, Circoviren und Gyroviren gefunden (Peretti et al., 2015).

Diese Ergebnisse zeigen, dass potentiell gefährliche Tierviren häufig in verbreiteten Lebensmitteln vorhanden sind. Der Zusammenhang mit der Entstehung von Krebserkrankungen hat daher eine Bedeutung, die nicht vernachlässigt werden sollte.

Dreifaches Brustkrebsrisiko bei Frauen mit verbreitetem Rinder-Leukämievirus

Vor kurzem wurde eine größere Zahl vermutlich neuer Viren in Blut, Fleisch und Milch von Milchkühen entdeckt. Infektiöse Stoffe in Milchprodukten könnten eine besondere Affinität für Brustzellen haben, da sie aus Brustzellen stammen.

Der Zusammenhang von Brustkrebs und Viren wurde bereits belegt: In einer Studie konnte das Auftreten von Brustkrebs mit dem Vorkommen von BLV-Viren aus Rindern (Bovine Leukemia Virus) im Brustgewebe in Verbindung gebracht werden. Frauen, bei denen das Virus im Brustgewebe nachgewiesen wurde, hatten ein dreifach höheres Risiko für Brustkrebs als Frauen, bei denen das Virus nicht nachgewiesen wurde (Buehring et al., 2015). Damit übertrifft das Virus andere häufig nachgewiesene Risikofaktoren für Brustkrebs wie z. B. Fettleibigkeit oder Alkoholkonsum. Das BLV-Virus kommt nicht nur in Rindfleisch, sondern insbesondere auch in Kuhmilch vor. Vor allem bei großen Kuhherden kann durch die Vermischung der Milch in den großen Milchtanks die Durchseuchung bei bis zu 100 % liegen (USDA, 2008).

Noch nicht im Focus, aber so naheliegend: Viren fördern Prostatakrebs?

Krankheitserreger kommen häufig über den Harnweg in die Prostata, jedoch lässt die anatomische Nähe zum Mastdarm auch an eine Einwanderung von Darmbakterien denken, insbesondere beim Vorliegen von Schleimhautschäden. Durch die direkte nachbarschaftliche Lage der vergrößerten Prostata zum Dickdarm können auch krebserregende Substanzen, z. B. PAKs aus gegrilltem Fleisch (Knize und Felton, 2005), aus dem Rektum in die Prostata gelangen und die Entstehung eines Tumors zusätzlich fördern. Gegrilltes Fleisch ist jedoch nicht nur außen krebserregend, sondern zudem innen häufig noch rot und ungar. Wie zur Hausen (2012), Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, wohl richtig vermutet, können infektiöse Faktoren aus diesem nicht durchgekochten, roten Fleisch das Risiko für Dickdarmkrebs zusätzlich stark erhöhen. Konkret vermutet zur Hausen onkogene Viren, die den Dickdarm infizieren. Der Weg vom Darm zur Prostata ist nicht weit.

Literatur

  • Buehring GC, Shen HM, Jensen HM, Jin DL, Hudes M, Block G (2015): Exposure to Bovine Leukemia Virus Is Associated with Breast Cancer: A Case-Control Study. PLoS One; 10(9): e0134304.
  • Knize MG, Felton JS (2005): Formation and human risk of carcinogenic heterocyclic amines formed from natural precursors in meat. Nutr Rev; 63(5): 158-165.
    Peretti A, FitzGerald PC, Bliskovsky V, Buck CB, Pastrana DV (2015): Hamburger polyomaviruses. J Gen Virol; 96(Pt 4): 833-9.
  • USDA (United States Department of Agriculture) (2008): Bovine Leukosis Virus (BLV) on U.S. Dairy Operations, 2007. URL: https://www.aphis.usda.gov/animal_health/nahms/dairy/downloads/dairy07/Dairy07_is_BLV.pdf (26.11.2015).
  • zur Hausen H (2012): Red meat consumption and cancer: reasons to suspect involvement of bovine infectious factors in colorectal cancer. Int J Cancer; 130(11): 2475-2483.

>> Diesen Artikel als PDF herunterladen.

2 thoughts on “Krebserregende Viren in Rindfleisch und Milch

  1. Sehr geehrter Herr Niederer,
    sie haben selbstverständlich Recht: Die Beschränkung der Sichtweise auf Krankheitserreger als Krebsursache greift zu kurz. Sie sind nur ein Bestandteil des komplexen Geschehens. In seinem Buch „Prostatakrebs-Kompass“ beschreibt Dr. Jacob ausführlich die Bedeutung der Krebsnische, also des Zustands des Gewebes, für die Krebsentstehung und -entwicklung. Dieser Beitrag soll lediglich zeigen, dass Viren eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen können und bei der Krebsprävention daher auch von Bedeutung sind.

  2. Die Fokusierung auf Krankheitserreger – hier Viren – als Ursache für den Ausbruch einer Krankheit greift zu kurz, da der physiologische Zustand des Gewebes, auf dem sich diese Viren halten und vermehren können, völlig ausser Acht gelassen wird. Wenn zum Beispiel bei Frauen mit Brustkrebs 3x mehr bestimmte „krebserregende“ Viren festgestellt werden, kann das einfach bedeuten, dass das schwache Immunsystem dieser Frauen diese Viren nicht in Schach halten resp. unschädlich machen kann. Die Viren ursprünglich für die Krebs-Entstehung verantwortlich zu machen, ist daher ein Trugschluss. Die Forschung müsste viel stärker darauf ausgerichtet werden, welche Faktoren ein Immunsystem schädigen und nicht darauf, welche Viren und Bakterien welche Folgen haben bei massenhaftem Auftreten. Diese Viren- und Bakterienhysterie ist ein Irrweg.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ihr Kommentar erscheint nach Freigabe durch die Redaktion.