Hormone und Viren als wahrscheinliche Auslöser – Prävention durch Soja möglich
Der Verzehr von Milch erhöht das Brustkrebsrisiko bei Frauen um bis zu 80 %. Mögliche Ursachen sind Hormone und Viren in der Milch. Da Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen ist, sollte jede Frau den Risikofaktor Milch kennen und meiden. Pflanzliche Alternativen sind hier vielversprechend.
Täglicher Milchverzehr erhöht Brustkrebsrisiko um bis zu 80 %
Eine großangelegte Studie von Fraser et al. aus dem Jahr 2020 zeigt, dass der Verzehr von Milch das Brustkrebsrisiko bei Frauen stark erhöht. Von 52 795 Frauen (durchschnittliches Alter: 57,1 Jahre), die zu Beginn der Studie krebsfrei waren, entwickelten 1 057 Frauen innerhalb von knapp 8 Jahren Brustkrebs.

Der tägliche Verzehr von Milch hatte dabei einen entscheidenden Einfluss (Fraser et al., 2020; Pastorino, 2020):
- Schon 1/3-1/4 Tasse (60-80 ml) Milch täglich erhöht demnach das individuelle Brustkrebsrisiko um 30 %.
- Eine ganze Tasse (ca. 240 ml) Milch am Tag steigert das Risiko um 50 %,
- 2-3 Tassen sogar um 70-80 %
Das sagen neuere Meta-Analysen
Die Adventist Health Study 2 von Fraser et al. (2020) hat mit ihren Ergebnissen viel Aufmerksamkeit erregt. Doch wie ordnen sich die Befunde in die breitere Studienlage ein? Mehrere Meta-Analysen, die nach 2020 veröffentlicht wurden, zeichnen ein differenziertes Bild:
- Eine Kohortenstudie von Kaluza et al. (2021) an 33.780 schwedischen Frauen zeigte, dass ein hoher Konsum von Trinkmilch (≥ 2 Portionen täglich, ca. ≥ 400 ml) mit einem erhöhten Risiko für östrogenrezeptor-positiven (ER+) Brustkrebs assoziiert war.
- Die Meta-Analyse von Zhao et al. (2021) mit 27 prospektiven Kohortenstudien zeigte bei Trinkmilch-Konsum ab einer Menge von mehr als 200 g täglich (ca. ein Glas) einen leichten Anstieg des allgemeinen Brustkrebsrisikos. Bei 400 g täglich (ca. zwei Gläser) stieg das relative Risiko um 2 % an – statistisch grenzwertig, aber bei langjährigem Konsum kumulativ relevant. Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Käse hingegen zeigten eine leicht schützende Tendenz.
- Die Nurses‘ Health Study (Riseberg et al., 2024) untersuchte den lebenslangen Milchkonsum bei 63.847 Frauen über 32 Jahre. Ein bemerkenswerter Befund zeigte sich bei einem spezifischen Brustkrebs-Tumorsubtyp: Prämenopausale Frauen, die täglich ≥ 3 Portionen Milch (ca. 720 ml) tranken, hatten im Vergleich zu Frauen mit < 1 Portion pro Woche ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko für HER2-positive Tumore. Dieser Befund ist aufgrund der noch begrenzten Fallzahlen mit Vorsicht zu interpretieren, gibt aber Anlass zu weiterer Forschung.
Warum fällt die Fraser-Studie deutlicher aus?
Die besonders hohe Effektstärke der Fraser-Studie (bis zu 80 % Risikoerhöhung) hat einen methodischen Hintergrund: Die Studienpopulation besteht aus Siebenten-Tags-Adventisten – einer Gemeinschaft, in der viele Menschen vegetarisch oder vegan leben. Dadurch umfasst die Studie sowohl Frauen, die gar keine Milch trinken, als auch solche mit hohem täglichem Konsum. Diese breite Streuung ist methodisch ein Vorteil: In typischen westlichen Studienpopulationen, in denen nahezu alle Teilnehmerinnen zumindest etwas Milch konsumieren, können Risikounterschiede schlicht untergehen, weil eine echte Nullkonsum-Vergleichsgruppe fehlt.
Die Fraser-Studie kann daher einen realen Effekt sichtbar machen, den andere Studien aufgrund ihres Studiendesigns schwerer detektieren.
Gleichzeitig unterscheiden sich Veganerinnen und Vegetarierinnen häufig auch in anderen Lebensstilfaktoren – etwa durch mehr Bewegung, höheren Obst- und Gemüsekonsum oder geringeren Alkoholkonsum. Obwohl die Studie um viele dieser Einflussfaktoren bereinigt wurde, lässt sich eine gewisse „residuale Konfundierung“ nicht ausschließen – der Effekt könnte also teilweise auch durch den allgemein gesünderen Lebensstil der Vergleichsgruppe erklärt werden.
Was bedeutet das im Gesamtbild?
- Die Richtung des Zusammenhangs ist über die Studien hinweg konsistent: Speziell Trinkmilch – nicht Milchprodukte insgesamt – ist mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko assoziiert.
- Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Käse zeigen dagegen eine neutrale bis leicht schützende Wirkung.
- Der reale Risikoeffekt von Milch in Bezug auf Brustkrebs liegt voraussichtlich zwischen den moderateren Werten der Meta-Analysen und den 80 % der Fraser-Studie – aber auch ein um 20–30 % erhöhtes Risiko ist bei einer so häufigen Krebsart wie Brustkrebs klinisch hochrelevant.
Ist Soja besser als Milch?
Auch Sojaprodukte wurden unter die Lupe genommen und es wurde kein Zusammenhang zum Brustkrebsrisiko gefunden. Sojaprodukte sind demnach der ideale Ersatz für Milchprodukte für alle, die ihr Brustkrebsrisiko möglichst geringhalten möchten (Fraser et al., 2020). Wie wirkungsvoll die Verwendung von Sojadrink als Kuhmilch-Alternative ist, zeigte bereits 1998 eine Studie, die mit Prostatakrebs eine weitere hormonabhängige Krebsart in den Fokus stellte: Männer mit einem hohen Konsum an Sojadrink senkten ihr Risiko für Prostatakrebs um 70 % (Jacobsen et al., 1998).
Hormone in der Milch als wichtige Ursache für Brustkrebs
Als mögliche Ursache für den Zusammenhang zwischen Milch und Brustkrebs führt der Erstautor der Studie, Gary Fraser, den hohen Hormongehalt der Milch an. Da im Schnitt 75 % der Kühe in einer Herde trächtig sind, weist Kuhmilch in der Regel einen sehr hohen Anteil an weiblichen Geschlechtshormonen auf. Diese begünstigen wiederum hormonresponsive Krebsarten wie Brustkrebs (Pastorino, 2020).
Zudem liefern Milch und andere tierische Lebensmittel ein weiteres Hormon, das ebenfalls bestimmte Krebsarten begünstigt: IGF-1 (insulin-like growth factor-1) (Pastorino, 2020). Tierische Lebensmittel sind reich an Aminosäuren, die erhöhte IGF-1-Serumspiegel verursachen können (Allen et al., 2002; Clemmons et al., 1985). Eine Verminderung der Proteinaufnahme (Smith et al., 1995) und eine rein pflanzliche Ernährungsweise (Allen et al., 2000 und 2002) haben dagegen niedrigere IGF-1-Spiegel zur Folge.
Verbreiteter Leukämievirus bei Rindern verdreifacht Brustkrebsrisiko

Neben Hormonen spielen auch Viren eine große Rolle bei der Krebsentstehung: Fast 20 % aller Krebserkrankungen können auf infektiöse Ursachen wie Viren zurückgeführt werden (Howley, 2015). Derzeit existieren sieben Viren, die nachgewiesenermaßen mit menschlichem Krebs in Zusammenhang stehen. Und da ständig neue Viren in der Nahrungskette entdeckt werden, wird die Häufigkeit viraler Krebserkrankungen zukünftig vermutlich steigen.
In Blut, Fleisch und Milch von Milchkühen wurde vor einiger Zeit eine größere Zahl vermutlich neuer Viren entdeckt. Infektiöse Erreger in Milchprodukten könnten eine besondere Affinität für Brustzellen haben, da sie aus Brustzellen stammen. Der Zusammenhang von Brustkrebs und Viren wurde bereits belegt: In einer Studie konnte das Auftreten von Brustkrebs mit dem Vorkommen von BLV-Viren aus Rindern (BLV: Bovine Leukemia Virus) im Brustgewebe in Verbindung gebracht werden. Frauen, bei denen das Virus im Brustgewebe nachgewiesen wurde, hatten ein dreifach höheres Risiko für Brustkrebs als Frauen, bei denen das Virus nicht nachgewiesen wurde (Buehring et al., 2015). Damit übertrifft das Virus andere häufig nachgewiesene Risikofaktoren für Brustkrebs wie z. B. Fettleibigkeit oder Alkoholkonsum. Das BLV-Virus kommt nicht nur in Rindfleisch, sondern insbesondere auch in Kuhmilch vor. Vor allem bei großen Kuhherden kann durch die Vermischung der Milch in den großen Milchtanks die Durchseuchung bei bis zu 100 % liegen (USDA, 2008).
Krebsprävention lohnt sich – vor allem bei Brustkrebs
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Weltweit sind jedes Jahr etwa 2,1 Millionen Frauen von Brustkrebs betroffen. Im Jahr 2018 verstarben schätzungsweise 627 000 Frauen an dieser Krebsart – das sind etwa 15 % aller Krebstodesfälle bei Frauen (WHO, 2020). An keiner anderen Krebsart sterben mehr Frauen.
Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 69 000 Frauen neu an Brustkrebs. Zusätzlich werden jedes Jahr etwa 6 000 Vor- oder Frühformen von Brustkrebs diagnostiziert. Auch Männer sind in seltenen Fällen (ca. 1 %) betroffen (DKFZ, 2016).
Aus diesen Zahlen wird deutlich, wie wichtig die Prävention von Brustkrebs ist und auch wie viel eine Prävention bewirken kann, denn: Bei einer so häufig auftretenden Krebsart wie Brustkrebs führt ein um 30 % oder sogar 80 % erhöhtes Erkrankungsrisiko zu sehr viel mehr Neuerkrankungen als dies bei einer eher seltenen Krebsart der Fall wäre. Für Frauen lohnt es sich also, ihren täglichen Konsum von Milch und Milchprodukten noch einmal zu überdenken. Gerade bei dieser Lebensmittelgruppe ist die Umstellung auf pflanzliche Alternativen, wie z.B. Soja- oder Haferdrink, besonders leicht umsetzbar.

Leider hält sie sich in Deutschland bei schlecht informierten Ärzten immer noch die Meinung, dass Sojamilch das Brustkrebsrisiko erhöht. Dies war eine falsche Vermutung, die auf schlecht durchgeführten Tierstudien beruhte. Sicher ist: Noch nicht einmal bei Frauen, die Brustkrebs hatten, wirken Sojaprodukte krebsfördernd. Vielmehr verweisen die Studien auf eine Risikosenkung. So lautet die offizielle Stellungnahme des American Institute for Cancer Research (AIRC, 2019). Klar ist inzwischen, dass Kuhmilchprodukte dagegen das Rezidivrisiko bei Brustkrebs deutlich erhöhen.
Fazit
Unbestritten bleibt: Milch enthält Hormone, Wachstumsfaktoren und potenziell krebsrelevante Viren – und der Verzicht auf Kuhmilch zugunsten pflanzlicher Alternativen ist eine der einfachsten und risikofreiesten Maßnahmen zur Prävention – nicht nur von Brustkrebs.
Tipp: Fachbuch „Dr. Jacobs Weg des genussvollen Verzichts“
Schon 2013 thematisierte Dr. med. L.M Jacob ausführlich und evidenzbasiert in seinem Fachbuch die krebsfördernde Rolle von Kuhmilchprodukten in Bezug auf Brust-, Eierstock- und Prostatakrebs, die sich in immer mehr Studien zeigt.
Literatur
- Allen NE, Appleby PN, Davey GK, Kaaks R, Rinaldi S, Key TJ (2002): The associations of diet with serum insulin-like growth factor I and its main binding proteins in 292 women meat-eaters, vegetarians, and vegans. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev;11(11): 1441-1448.
- American Institute for Cancer Research (2019): Soy: Intake Does Not Increase Risk for Breast Cancer Survivors. URL: https://www.aicr.org/cancer-prevention/food-facts/soy/ (21.10.2020)
- Allen NE, Appleby PN, Davey GK, Key TJ (2000): Hormones and diet: low insulin-like growth factor I but normal bioavailable androgens in vegan men. Br J Cancer, 83: 95-97.
- Buehring GC, Shen HM, Jensen HM, Jin DL, Hudes M, Block G (2015): Exposure to Bovine Leukemia Virus Is Associated with Breast Cancer: A Case-Control Study. PLoS One; 10(9): e0134304.
- Clemmons DR, Seek MM, Underwood LE (1985): Supplemental essential amino acids augment the somatome-din-C/insulin-like growth factor-I response to refeeding after fasting. Metabolism; 34: 391-395.
- DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) (2016): Brustkrebs – eine Einführung. Anatomie, Häufigkeit, Tumorbiologie. Häufigkeit, Zahlen und Statistiken zu Brustkrebs. URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/was-ist-brustkrebs.php (14.10.2020).
- Fraser GE, Jaceldo-Siegl K, Orlich M, Mashchak A, Sirirat R, Knutsen S (2020): Dairy, soy, and risk of breast cancer: those confounded milks. Int J Epidemiol; dyaa007. doi: 10.1093/ije/dyaa007. Online ahead of print.
- Howley PM (2015): Gordon Wilson Lecture: Infectious Disease Causes of Cancer: Opportunities for Prevention and Treatment. Trans Am Clin Climatol Assoc; 126: 117-132.
- Jacobsen B, Knutsen S, Fraser G (1998): Does high soy milk intake reduce prostate cancer incidence? The Ad-ventist Health Study. Cancer Causes Control; 9(6): 553-557.
- Kaluza J, Komatsu S, Laurber K, Harris HR, Bergkvist L, Wolk A (2021): Long-term consumption of non-fermented and fermented dairy products and risk of breast cancer by receptor status. Clinical Nutrition; 40(4): 1966–1975.
- Pastorino B (2020): New study associates intake of dairy milk with greater risk of breast cancer. Evidence suggests consistently drinking as little as one cup per day may increase rate of breast cancer up to 50%. Science Daily. URL: https://www.sciencedaily.com/releases/2020/02/200225101323.htm (02.10.2020).
- Peretti A, FitzGerald PC, Bliskovsky V, Buck CB, Pastrana DV (2015): Hamburger polyomaviruses. J Gen Virol; 96(Pt 4): 833-9.
- Riseberg E, Wu Y, Lam WC, Eliassen AH, Wang M, Zhang X, Willett WC, Smith-Warner SA (2024): Lifetime dairy product consumption and breast cancer risk: a prospective cohort study by tumor subtypes. The American Journal of Clinical Nutrition; 119(2): 302–313.
- Smith WJ, Underwood LE, Clemmons DR (1995): Effects of caloric or protein restriction on insulin-like growth factor-I (IGF-I) and IGF-binding proteins in children and adults. J Clin Endocrinol Metab; 80: 443-449.
- USDA (United States Department of Agriculture) (2008): Bovine Leukosis Virus (BLV) on U.S. Dairy Operations, 2007. URL: https://www.aphis.usda.gov/animal_health/nahms/dairy/downloads/dairy07/Dairy07_is_BLV.pdf (26.11.2015).
- WHO (World Health Organization) (2020): Cancer. Breast cancer. URL: https://www.who.int/cancer/prevention/diagnosis-screening/breast-cancer/en/ (14.10.2020).
- Zhao J, Zhao Y, Peng Y (2021): Dairy consumption and the risk of breast cancer: a systematic review and dose-response meta-analysis. European Journal of Clinical Nutrition; 75: 1096–1104.
